Das ultimative Blending

Brexit (Britain’s Exit) steht als lebhafter Beweis für ein sich ausbreitendes Neologismus-Phänomen, dem schon viele Namen gegeben wurden. Wir finden es unter Mischwort, Koppelwort, Kofferwort, Wortkreuzung (oder Kreuzungswort), Kombiwort, Wortverschmelzung (oder Verschmelzungswort), Wortverschränkung, Schachtelwort, Tandemwort u.v.a.m.

Brexit von Tumisu auf Pixabay

Eine Reihe von diesen Wörtern ist schon länger im Gebrauch. So fahren wir mit dem Moped (Motor + Pedale) in ein Motel (Motor + Hotel) und machen dort Kurlaub (Kur + Urlaub). Unentschlossene sagen dann manchmal auch jein (ja + nein). Viele ärgern sich über eine Demokratur (Demokratie + Diktatur), die Glokalisierung Globalisierung + Lokalisierung), den Teuro (teuer + Euro), vor allem aber über das über sie in den Medien verbreitete Kompromat (kompromittierendes Material, aus dem Jargon des sowjetischen Geheimdienstes stammend). Neuere Wortschöpfungen sind solche wie Bionik (Biologie + Technik), Mechatronik (Mechanik + Elektronik) und das Pedelec (Pedal + Electric Cycle).

Letzteres Beispiel leitet auf einen weiteren Aspekt über: So richtig bunt wird das linguistische Kaleidoskop nämlich erst, wenn beim Blending auch Anglizismen mit verarbeitet werden. Dann entsteht ein Denglisch (Deutsch + Englisch), was weltweit zum Globish (Global English) werden kann. So fahren wir zum Brunch (Breakfast + Lunch) und meiden dabei den Smog (Smoke + Fog). Danach geht es zwecks Infotainment (Information + Entertainment) ins Cineplex (Cinema + Complex). Dort sehen wir uns ein Grusical (Grusel + Musical) an oder eine Sitcom (Situation + Comedy) oder einfach etwas aus Bollywood (Bombay + Hollywood).

Mit dem Blending kann man sogar per Überschrift oder Heftthema große Aufmerksamkeit erzeugen, wie das Ende Januar dieses Jahres dem ECONOMIST gelang: Die Zukunft des Welthandels wurde mit dem von einem niederländischen Autor geprägten Terminus Slowbalisation beschrieben.

Und schließlich dies noch aus der Arbeitswelt: Damit Geschäftsleute keine Workoholics (Work + Alcoholic) werden, hängen sie auf ihren Businessreisen gerne noch einen Kurzurlaub an und machen eben Bleisure (Business + Leisure), vielleicht sogar mit Slimnastics (Slimming + Gymnastics). Ihre Handys mit den vielen Emoticons (Emotions + Icons) natürlich immer in Hör- und Reichweite. Das aber müssen ihre Manager alles gutheißen, denn sonst wären diese ja Damager (Damage + Manager) ohne Flexicurity (Flexible Security).

Zwei meiner Kollegen hatten zu diesen Neologismen ein inniges Verhältnis und eben auch zueinander, was quasi einer Bromance (Brotherhood + Romance) gleichkam. Aber dann gerieten sie über diese Wortschöpfungen in einen heftigen und lang anhaltenden Streit. Das machte sie zu Frenemies (Friends + Enemies), und so haben sie sich leider abgefreundet.

Gastbeitrag von Helmut Reisener

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