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Aufruf zum Testen
Im Internet häufen sich Angebote von „einfachen“, „leicht lesbaren“, „barrierefreien“ und „verständlichen“ Texten, oft von KI-Programmen erzeugt oder versprochen. Wie können wir erkennen, wie verständlich sie wirklich sind?
Es gibt verschiedene Tools, die die Verständlichkeit von Texten ermitteln. Zumeist messen sie die Struktur von Sätzen und Wörtern. Sie berücksichtigen jedoch kaum, wie gebräuchlich die Wörter sind.
Wir haben bereits ein Tool entwickelt, das Textstruktur UND Wortwahl bewerten kann: KlarCheck-Direkt (siehe Blogbeitrag). Dieses Tool ist speziell auf Kriterien der Einfachen Sprache ausgerichtet.
Zusätzlich stellen wir jetzt ein Tool vor, das einen Index der Verständlichkeit für beliebige Texte berechnen kann: KlarCheck-Index (klarcheck-index.org).
Das Tool wurde von multisprech.org auf ChatGPT entwickelt. Es funktioniert auf GPT-5.2 im Modus „Thinking“ (Nachdenken). Nur in diesem Modus kann es zuverlässig arbeiten. Das heißt, mit der allgemeinen Version von ChatGPT liefert KlarCheck keine korrekten Ergebnisse. Bisher ist der Modus „Thinking“ nur auf ChatGPT-Plus zugänglich. Wir rufen daher alle Interessierten, die ChatGPT-Plus abonniert haben, zum Testen auf!
In unserem Beitrag erklären wir:
(1) wie KlarCheck-Index die Verständlichkeit von Texten misst;
(2) wie KlarCheck-Index verschiedene Sprachniveaus ermittelt und
(3) wie zuverlässig die Ergebnisse von KlarCheck-Index sind.
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1. Wie misst KlarCheck-Index die Verständlichkeit von Texten?
Die bisher gebräuchlichen Index-Tools beziehen sich hauptsächlich auf die Länge und Struktur von Sätzen und Wörtern. Das gilt eindeutig für den LIX (Lesbarkeitsindex) und den Flesch-Index, trifft aber auch auf den höher entwickelten HIX (Hohenheimer Verständlichkeitsindex) und den Verständlichkeitsindex von Wortliga zu.
Diese Tools können weitgehend bewerten, wie lesbar und verständlich Texte sind. Die Ergebnisse sind überprüfbar und zuverlässig. Sie berücksichtigen jedoch kaum,
– ob die Wörter allgemein gebräuchlich sind und
– wie die Aussagen inhaltlich zusammenhängen.
Mit dem KlarCheck-Index versuchen wir, diese beiden Aspekte einzubeziehen.
Der KlarCheck-Index berücksichtigt folgende Messwerte:
- Lange Sätze: Sätze mit mehr als 12 Wörtern (vgl. LIX/Björnsson);
- Nebensätze: ermittelt durch KI-Analyse;
- Lange Wörter: Wörter mit mehr als 6 Buchstaben (vgl. LIX/Björnsson);
- Fach- und Fremdwörter: ermittelt von KI;
- Abstrakte Substantive: Wörter mit entsprechenden Nachsilben (z.B. -heit, -keit, -schaft).
Der KlarCheck-Index berechnet jeweils den Anteil der betreffenden Werte an der Gesamtzahl der Sätze bzw. Wörter in Prozent.
Zusätzlich ermittelt der KlarCheck-Index die Konnektivität des Textes: wie Aussagen innerhalb eines Satzes sowie eines Textes miteinander verbunden sind. Dazu erfasst der Index folgende Konnektoren:
- Konjunktionen,
- konnektive Adverbien (z.B. deshalb, trotzdem) und
- Pronomen.
Berechnet wird die Anzahl der Konnektoren bezogen auf je 10 Sätze.
Hier ist ein Beispiel für die errechneten Indexwerte eines Blogbeitrags:

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Diese Ergebnisse sind für sich genommen wenig aussagekräftig. Erst im Vergleich zu anderen Texten lassen sich die Ergebnisse bewerten. Wichtig für diesen Vergleich sind Texte, die einem bestimmten Sprachniveau entsprechen. Im nächsten Abschnitt erläutern wir, wie KlarCheck-Index die Sprachniveaus ermittelt.
2. Wie ermittelt KlarCheck-Index verschiedene Sprachniveaus?
Bekannt sind bisher die Niveaustufen des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens (GeR). Sie beschreiben die Sprachkompetenzen von Menschen, die eine Fremdsprache erlernen. Diese Stufen werden auch genutzt, um die Verständlichkeit von Texten zu bewerten. Das Analyseprogramm von Wortliga berücksichtigt dabei die Textstruktur und die Gebräuchlichkeit von Wörtern. Die ermittelten Niveaustufen lassen sich allerdings nur bedingt auf die Kriterien etwa der Einfachen oder Leichten Sprache beziehen.
Der KlarCheck-Index hingegen definiert das Niveau für bestimmte Typen der Sprache. Deren Indexwerte bilden Orientierungspunkte der Verständlichkeit. Maßgeblich sind folgende Sprachniveaus:
- Akademische Sprache, insbesondere Dissertationen;
- Fachsprache, z.B. Artikel in Fachzeitschriften;
- Verwaltungssprache, z.B. Amtsschreiben und Bekanntmachungen;
- Einfache Sprache;
- Leichte Sprache;
- Deutsch für Anfänger, z.B. Unterrichtstexte (GER-Stufe A1).
Für jedes Sprachniveau haben wir Mustertexte ausgewählt. Sie sind im Anhang aufgelistet. Der KlarCheck-Index hat deren durchschnittliche Verständlichkeit ermittelt. Diese Indexwerte sind in der folgenden Grafik dargestellt:

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In der Grafik sind die Sprachinveaus deutlich abgestuft. Die entsprechenden Indexwerte der Mustertexte markieren die Spanne des KlarCheck-Index:
- von Indexwert 40 (akademische Sprache) = sehr schwer verständlich
- bis zu Indexwert 1 (Deutsch für Anfänger) = sehr leicht verständlich
Die durchschnittlichen Indexwerte dienen als Orientierungspunkte, wobei die jeweiligen Sprachniveaus einen breiteren Bereich abdecken. Die Orientierungspunkte helfen, beliebige Texte einzustufen. Der getestete Blogbeitrag (siehe Tabelle oben) hat den Indexwert 19 und ist damit nahe am Orientierungspunkt der „Einfachen Sprache“ (Wert 17).
Wir können die Indexwerte der Sprachniveaus noch genauer vergleichen. In der folgenden Grafik stellen wir zwei Teilwerte gegenüber:
- Indexwert auf Satzebene (lange Sätze, Nebensätze) und
- Indexwert auf Wortebene (lange Wörter, Fach- und Fremdwörter, abstrakte Substantive).

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Wie die Grafik zeigt, verändert sich die Verständlichkeit von Sätzen (graue Linie) stärker als die Verständlichkeit von Wörtern (rote Linie). Damit bestätigt die Grafik unsere Erfahrung: Texte lassen sich vor allem mit kürzeren und einfacheren Sätzen verständlicher machen. Auf Wortebene gibt es offenbar weniger Spielraum, um die Verständlichkeit zu erhöhen. Allerdings berücksichtigen die Indexwerte nicht, ob schwierige Wörter im Text erklärt werden. Das ist besonders in Einfacher und Leichter Sprache möglich.
Die Sprachniveaus unterscheiden sich schließlich auch hinsichtlich der Konnektivität von Texten. Die Konnektivität ist ambivalent: Einerseits kann sie zu komplexer Ausdrucksweise beitragen (juristische Texte!), andererseits sichert sie den inneren Zusammenhang von Aussagen. Die folgende Grafik veranschaulicht, wie stark die Aussagen in oder zwischen den Sätzen miteinander verbunden bzw. aufeinander bezogen sind.

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In der Grafik unterscheiden sich die Sprachniveaus hinsichtlich ihrer Konnektivität. Wie zu erwarten, haben akademische und fachliche Texte eine besonders hohe Konnektivität. Demgegenüber hat die Leichte Sprache die niedrigste Konnektivität. Typisch für deren Texte sind wenig verbundene kurze Hauptsätze. Überraschend ist der Indexwert von Deutsch für Anfänger: Obwohl dieses Sprachniveau auf sehr einfache Sätze und Wörter angewiesen ist, erreicht es eine Konnektivität auf dem Niveau der Einfachen Sprache. Wie diese entspricht Deutsch für Anfänger den Kriterien der Standardsprache.
3. Wie zuverlässig sind die Ergebnisse von KlarCheck-Index?
Wir haben den KlarCheck-Index getestet: mit über 100 Texten von jeweils etwa 300 Wörtern. Dabei haben wir folgende Erkenntnisse gewonnen:
- Der KlarCheck-Index liefert komplette Ergebnisse entsprechend den Anweisungen. Die Ergebnisse variieren jedoch bei jeder Wiederholung: mit zumeist geringen Abweichungen in den Prüfwerten.
- Dieses Variieren kennen wir bereits von KI-Übersetzungen auf ChatGPT. Es ist offenbar unumgänglich, trotz der exakten Anweisungen im internen Prompt von KlarCheck-Index. Ein Grund sind die unterschiedlichen Lösungswege, die die KI bei den Tests wählt.
- Die Abweichungen in den Prüfwerten haben allerdings noch einen anderen Grund: Sprachliche Merkmale wie „Wort“ oder „Nebensatz“ sind im Prompt zwar definiert, aber nicht bis in alle speziellen Einzelheiten festgelegt. Für Kategorien wie „Fachwort“ oder „Fremdwort“ sind keine digitalen Glossare als Referenz verfügbar. Deren Auswahl liegt also weitgehend im Ermessen der KI.
Aus diesen Gründen sind die Ergebnisse des KlarCheck-Index nicht so zuverlässig, wie bei herkömmlichen Modellen der Textanalyse. Wenn wir in capito, Wortliga oder TextLab einen Text mehrmals analysieren, erbringt das betreffende Modell gewöhnlich das gleiche Ergebnis. Allerdings unterscheiden sich die Ergebnisse zwischen diesen Modellen. Denn deren zugrunde liegende Kriterien der Analyse stimmen selten genau überein. So hat jedes Modell sein eigenes Analyse- und Prüfprogramm.
Trotz dieser Einschränkungen hat der KlarCheck-Index zwei Vorteile gegenüber den meisten bisherigen Prüftools:
- Die Indexwerte messen „Verständlichkeit“ in breiterem Sinne: Sie erfassen sowohl strukturelle als auch inhaltliche Komponenten eines Textes. Dabei beziehen sie sich auf sprachliche Merkmale, die transparent und nachprüfbar sind.
- Der Index verfügt über eine Skala von Orientierungspunkten, die auf bekannte Sprachniveaus bezogen sind. Die Grundlage dafür sind Mustertexte, die für alle zugänglich und nachprüfbar sind.
Insgesamt ist der KlarCheck-Index ein Pilot-Modell. Es funktioniert mit wenigen Kennzahlen und einfach berechneten Indexwerten (durchschnittliche Prozentangaben). Zudem beruhen die ermittelten Sprachniveaus auf einer geringen Anzahl von Mustertexten. Diese Grundlagen sind minimal, aber ausbaufähig. Die Tests sollen helfen, dieses Modell weiterzuentwickeln!
Noch befindet sich KlarCheck-Index in der Testphase. Sollten Mängel auftreten, können wir den internen Prompt anpassen. Wir möchten daher alle Interessierten ermuntern, den KlarCheck-Index zu testen. Wer einen interessanten Text, aber keinen Zugang zu ChatGPT-Plus hat, kann sich auch an uns wenden. Für Anfragen, Hinweise und Testergebnisse wären wir dankbar: Bitte an test@klarcheck-index.org senden!
Sabine Manning
18.2.2026
ANHANG
Die folgende Übersicht ist auch als PDF-Datei mit aktiven Links verfügbar!

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Bild erzeugt von Sabine Manning mit ChatGPT/DALL-E innerhalb der KI-Tools.
URL: Die Kurzadresse von KlarCheck-Index ist mit dem Original-URL verlinkt:
KlarCheck-Index (klarcheck-index.org):
https://chatgpt.com/g/g-68b7eb22d20c8191a8239878830b4c7f-klarcheck-index
Info: Das Team von multisprech.org hat mehrere KI-Tools entwickelt:
- Der Klar-Bot (Klar & Verständlich) überträgt schwierige Texte in Einfache Sprache (siehe Aufruf Klar & Verständlich (K&V)).
- Der Wiki-Bot kann Wissen aus der weltweiten Wikipedia klar und verständlich vermitteln (siehe Aufruf Wiki-Bot).
- Das Tool Bürgernah sorgt für klare und verständliche Kommunikation. Es übersetzt Amtstexte in Einfache Sprache (siehe Aufruf Bürgernah).
- Die FachInfo fasst Wissen aus Artikeln und Dokumenten strukturiert und leicht verständlich auf Deutsch zusammen (siehe Aufruf FachInfo).
- Das Tool KlarCheck-Direkt analysiert und bewertet Texte nach Kriterien der Einfachen Sprache (siehe Aufruf KlarCheck-Direkt)
Hinweis: Dieser Beitrag unterliegt der Creative Commons Lizenz. Das bedeutet, dass ihn Interessierte für nicht kommerzielle Zwecke weiterverwenden dürfen. Sie müssen dazu die Autorin und den Blog Multisprech (https://multisprech.org/) nennen und den Link angeben.