Ach, du dicker Vater! …

Nach Frau Rose-Möhrings Genderbemühungen in Sachen Nationalhymne geht obiger blöder Ausruf schon mal gar nicht. Auch solche Begriffe wie Vaterfigur, Vater Staat, unsere Vorväter, die Pilgerväter, unsere Vaterstadt, die Vaterlandsliebe wie auch die Vaterlandsverräter, der Übervater und Väterchen Frost, sie alle bedürfen der ‚Genderisierung‘. Und dazu auch solche Termini wie Brudermord, Bruderkrieg, Bruderherz, Brüderschaft, das alles muss auch weg. Und was machen die armen Franzosen mit ihrer geliebten fraternité? – Der schwarze Mann muss auch weg, so wie übrigens auch der Mann im Mond, der kleine Mann im Ohr, der dritte Mann und leider auch das Männlein, das im Walde steht. Und dann stören da auch solche Kollokationen wie ein Mann, ein Wort, von Mann zu Mann, an den Mann bringen, seinen Mann stehen, oder solche Vokabeln wie Manneskraft, Mannsbild, Manneswürde, mannhaft, mannshoch, Mannschaft, Steuermann, Vordermann, Hintermänner, Hauptmann, Hampelmann, Superman u.v.a.m. Das alles muss auch ‚gegendert‘ werden. Die Stadt Mannheim muss schließlich auch umbenannt werden, weil sie ja auch weibliche Bewohner hat. Und die Firma Mannesmann ist in Gender-Hinsicht ohnehin schon ein Ärgernis. Aber was machen wir nun mit solchen Termini wie z.B. Muttersprache, Mutterboden, Muttermal, Mutterkirche, Mutterkorn, Muttersöhnchen, mutterseelenallein? – Mannomann!: in Sachen Sprache gibt es (auch für Multisprech) wohl noch viel zu tun!

Gastbeitrag von Helmut Reisener

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3 Gedanken zu “Ach, du dicker Vater! …

  1. Richtig gut und mir aus dem Herzen gesprochen, Herr Reisener. Ich hatte auch schon überlegt, ob man nicht unsere Volksmärchen „auf Linie bringen“ sollte.

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  2. Ok, wenn DAS die eigentlichen Sorgen unserer heutigen Gesellschaft sind …
    Dann führen wir doch zu aller erst bitte wieder – die slawischen Sprachen kennen das bis heute – die weibliche Endung für Familiennamen ein, wie sie zumindest in weiten Teilen des deutschen Sprachraums so lange üblich waren, liebe Frau Weddein und liebe Frau Manningin. Bitte nehmen Sie es jetzt nicht persönlich, aber wie wäre es in dem Fall eigentlich mit „Frau Frauing“? 😉

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  3. In Sachen der sprachlichen „Gleichberechtigung“ wird viel zu viel persönlich genommen, lieber Herr Wilhelm, und viel zu wenig sachlich argumentiert. Ich las kürzlich, dass sehr viele Sprachen, „angeblich die Hälfte aller menschlichen Idiome“ ( PNN 12.04.18), überhaupt kein grammatisches Geschlecht kennen.

    Ach, es wäre so leicht und verführerisch,weitere absurde Beispiele für den verkrampften Umgang mit unserer deutschen (aber auch der englischen) Sprache zu finden. Stephen Hawking z.B. hätte sich darüber beschweren können, eine Koryphäe oder eine Kapazität genannt zu werden,
    Oder: ein bekannter Journalist des TAGESSPIEGEL zitierte kürzlich aus einem Radiobericht über prähistorische Kunstgeschichte, in dem von Neandertalern und Neandertalerinnen die Rede war
    (Peter von Becker, PNN 12.04.18).
    Und: was würde die gendergerechte Umformulierung aus einer Aussage wie „Frauen sind die besseren Autofahrer“ machen ? (lesenswerte online- Kommentare zu universitären Anleitungen zu „feministischem Sprachhandeln“ – NEUE ZÜRCHER ZEITUNG vom 06.02.18).

    Es macht mich aber richtig traurig, wenn z.B. der bekannte Dichter und Komponist von Kinderliedern, Rolf Zuckowski, in einem Interview mit der ZEIT (Nr.17, 19.April 201) sagt:“ Ich sorge mich um meine Lieder“: Sein Liederzyklus „Die Vogelhochzeit“ wird als Unterrichtsmaterial für die Schulen benutzt. Er fragt, was wird aus Texten wie „Schüler, Lehrer, Elternrat, heute gibt es kein Diktat“? Der Herausgeber benutzt in Anleitungen immer wieder „Schülerinnen und Schüler“, und „die Lehrkraft“ und meint dazu:
    „So muss man heute für Schulen schreiben“.

    Ich stimme ZUCKOWSKI voll und ganz zu:“ Sprache reflektiert Gesellschaft. Aber Ungerechtigkeiten löst man durch sprachliche Verkomplizierung auch nicht ganz auf. Das führt nur in eine Stolpersprache, die keiner aushält.“

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